– besser als sie je waren!

Heute wird viel über Nachhaltigkeit geredet, über „Ressourcen-Sparen“, Reparierbarkeit und gutes Handwerk. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde darüber weniger geredet – es war selbstverständlich. Weil die Umstände dazu zwangen, aber auch, weil die Rahmenbedingungen mit hohen Rohstoff- und Transportkosten und regulierten Handelsströmen dafür sorgten, daß neue Schuhe nicht unbedingt aus Fernost kamen und schon gar nicht soviel billiger waren als reparierte aus solider Herstellung.

[Da hier Markennamen genannt werden, zählt der Beitrag nach aktuellen Gerichts-Urteilen als WERBUNG]

Wie schon zu hören, sind mir meine alten Wanderschuhe wichtig – sie sind mir als gute Begleiter auf vielen Touren „ans Herz gewachsen“ (.. oder eher an den Fuß?) und selbst an die Zwischenphase als Arbeitsschuhe – auf einer Lehmbaustelle in Thüringen – erinnere ich mich gern.

Es war 1993, da hatte ich von den Sparlösungen des gelernten Ossis mit DDR-Wanderschuhen und umfunktionierten Arbeitsschuhen die Nase voll. Ich wollte einfach mal gute, bequeme und solide Wanderschuhe haben. Wichtig war mir aber auch zu der Zeit, daß sie reparabel waren (da kam der vorausdenkende, „zukunftsorientierte“ DDR-Bürger durch) und kein wegwerf- Plastik – Sch….

Damals habe ich mich für Meindl Hochjoch, einen klassischen Wanderschuh aus Leder mit zwiefach genähter Sohle entschieden. Die kosteten 179,00 DM, als Student war das für mich zu der Zeit schon eine Stange Geld. Gleich dazu noch eine Tube Snow Seal, welches das Leder geschmeidig und dicht hält – über die Wirkung kann ich mich bis heute nicht beschweren.

Ein paar Tage zum Einlaufen, und schon ging es los, mit mehreren Freunden samt Freundinnen, nach Schweden. Zuerst waren wir mehr im Süden, in der Nähe von Östersund zum Kanu fahren. Für den zweiten Teil ging es mit der Bahn, dank Twen -Ticket, über Nacht in den Norden bis Gällivare, nördlich des Polarkreises. Dort war Fjäll-Wandern angesagt…

Die Hochjoch – Wanderschuhe haben mich in den folgenden Jahren auf vielen Touren sommers wie winters begleitet. Allerdings kamen dann Kinder, keine richtige Zeit mehr für lange Touren, die Sohlen waren sowieso runter. Kurz, die Schuhe führten ein Schattendasein.

Zwischenzeitlich habe ich sie sogar als Arbeitsschuhe mißbraucht. Nicht einmal das haben sie mir übel genommen. Bergschuhe hatte ich andere. Immer Leder, nur ist auch da nicht alles Schuh, was geht. Bei einem Paar sind mir bereits nach kurzer Zeit die sowieso überflüssigen seitlichen Nähte aufgeplatzt. Andere hatten Dämpfungsfutter, die meinen Dämpfen wohl nicht lange standhalten konnten – jedenfalls sind diese aufgescheuert und aufgerissen…. Im letzten Jahr bin ich sogar mal wieder zur alten „Billig – Arbeitsschuh“ – Variante zurückgegangen. Ich hatte in der Kramkiste eines Gartenmarktes ein paar Leder-Arbeitsschuhe gefunden und irgendwie haben wohl nostalgische Gefühle mein Unterbewußtsein gesteuert. Zumal ich damit eine Tour wiederholt habe, mit der ich vor 33 Jahren meine Wanderungen begonnen habe – in Arbeitsschuhen.

Von den Meindl konnte ich mich die ganze Zeit nicht trennen. Vielleicht waren die Arbeitsschuhe der Ausschlag, daß ich mir gesagt habe „Jetzt mußt Du mal aktiv werden und suchen, ob Dir jemand diese Schuhe ordentlich repariert.

Wanderschuhe Herren -  Sohlen gebrochen
Die alten Sohlen waren gebrochen.

Im letzten Jahr habe ich einen ersten Anlauf bei einem Schuster in der Nähe meiner Arbeitsstelle probiert. Erstmal nur mit einem anderen Paar Lederschuhe mit gebrochener Sohle. Doch das war der Frau in der Annahme schon zuviel, da ging nichts.

Dann habe ich in diesem Jahr direkt bei Meindl angefragt. Per eMail wurde mir mitgeteilt, daß es einen Reparatur-Service gebe und wenn die Schuhe ansonsten noch in Ordnung sind, würden sie diese reparieren können. Die Sohlen sind hinüber, aber das Leder ist bestens bis auf eine aufgeplatzte Naht. Und genähte Sohlen heißt, man kann diese austauschen! Also – eingeschickt die guten Stücke. Dann passierte 3 Wochen lang nichts.

Eines Tages kam ein Paket. Ein Karton mit Meindl – Aufdruck. Darin ein brandneuer Schuhkarton von Meindl. Die Spannung stiegt! Sollten jetzt endlich die guten alten Wanderschuhe wie Phönix aus der Asche hier aus dem neuen Karton auftauchen und mir weiterhin gute Dienste leisten?

Wanderschuhe Herren - Die Zungenbasis  aufgestoßen - Nähte aufgerissen
Die Zungenbasis ist aufgerissen

Leider eine Enttäuschung. Die Schuhe sahen genauso aus, wie ich sie hingeschickt habe. Dazu ein Schreiben „Unser Schuhmacher hat die Schuhe geprüft. Leider sind diese nicht mehr reparabel. Das Leder ist zu verschlissen und die Schuhe generell zu alt. Sie würden einer Neubesohlung nicht mehr standhalten…“

Das Leder verschlissen? Da ist kein Makel dran, nicht mal ein Riß, Kratzer oder eine brüchige Stelle! Geschmeidig wie am ersten Tag. Was wohl aus Sicht von Meindl eher stimmt, ist „die sind generell zu alt“. Da wir Ossis ja zwischen den Zeilen lesen gelernt haben, sehe ich doch direkt „.. unsere Lager sind voll und nun kauf Dir endlich mal was Neues!“

Nun ja, wenn die Hersteller so wenig stolz sind auf ihre langlebigen Produkte und die Mühe scheuen, diesen mit ein wenig Aufwand nochmals neues Leben einzuhauchen, dann kann ich auch anders. Ich habe hier nämlich um die Ecke noch einen gelernten Schuhmacher, der sein Handwerk versteht. Und bei dem habe ich die Schuhe in Behandlung gegeben.

Erst hat er sich auch ein wenig geziert. Das lag wohl daran, daß er gewohnt ist, was heute üblich ist. Nämlich – alte Profil-Sohle runter, neue Sohle ankleben, verschleifen, fertig. Kostet nicht die Welt und ist das Tagesgeschäft für die Schuster heute. Sowas geht auch bei relativ billigen Schuhen noch. Bei meinen allerdings nicht mehr. Warum? Die Brandsohle (Zwischensohle) war verschlissen. Und da liegt das Problem. Er zeigte mir das: Diese sind nicht mehr aus Leder, wie es früher normal war, sondern aus Plastik – und da gehen mit der Zeit die Weichmacher raus. Die Zwischensohle fängt an, in kleine Stück zu zerbröseln. Solange die in Ordnung sind, kann man einfach den Rest Profil- Sohle runterschleifen, dann wird dort eine neue Sohle aufgeklebt und die Schuhe laufen wieder.

Wenn diese Zwischensohle aber spröde wird und zerbröselt, ist für die meisten Schuhe Feierabend. Denn Zwischensohle und Schaft sind industriell zusammengeklebt, sowas repariert niemand mehr. Ich sagte aber – die hier sind vernäht, sowas läßt sich doch ersetzen. Da druckst er etwas herum und meint dann, „da sitze ich bestimmt 3 Stunden dran, da ist ein Hunni (hundert €-Schein) weg!“ Ich entgegnete „Das ist mir klar, daß ich das nicht für’n Appl und ’n Ei kriege, ich habe mit bis zu 120€ schon gerechnet.“ Dann war es kein Problem mehr. Er schien sich richtig ein bißchen zu freuen, mal wieder solides Schusterhandwerk machen zu können. Was das Leder angeht, war er mit mir einer Meinung: Bestens in Ordnung.

Wanderschuhe Herren : Leder-Brandsohle frisch vernäht
Neue Sohle frisch vernäht

Nun habe ich die Schuhe abgeholt. Es hat rund 3 Wochen gedauert, da er erst noch die speziellen Sohlen besorgen mußte und dann immer wieder mal neben den sonstigen „Schnell-Aufträgen“ daran arbeiten konnte.

Jetzt haben die Schuhe aber eine neue von Hand eingenähte Brandsohle aus Leder – die geht nicht mehr kaputt, weil sich Weichmacher verflüchtigen! Und ordentliches Profil. Wenn das runter ist, kann ich einfach hingehen und dann für 20, 30€ was Neues draufkleben lassen. Die Basis stimmt. Insofern sind die Schuhe jetzt wohl noch hochwertiger als damals 1993, wo ich sie gekauft habe. Denn da hatten sie eine Plastik – Zwischensohle. Jetzt ist die Brandsohle aus solidem Leder.

Neue Sohlen, neue Schnürsenkel, die beiden Nähte an der Zungenbasis neu vernäht. Also einmal runderneuert – und das alles für rund 90€. So verstehe ich Langlebigkeit!

Wanderschuhe Herren : Bei der Reparatur wurde die Zungenbasis neu vernäht.
Die Zungenbasis wurde neu vernäht.

Nun werde ich die Schuhe nochmal ordentlich an der Heizung aufwärmen und das Leder mit SnoSeal einreiben, besser „tränken“. Dieses ist auf Bienenwachsbasis, da erzählte mir der Händler damals schon, die ägyptischen Mumien seien ebenfalls mit solchen Mitteln auf Bienenwachs-Basis einbalsamiert worden. Mal sehen ob in 3000 Jahren meine Mumienschuhe irgendwann als sensationeller Fund aus einer Zeit auftauchen, aus der es ansonsten nur Berge von silizium-chips und Plastikabfällen auszugraben gibt. Offenbar war der Träger ein besonders angesehener, daß er sich solch ausgefallene langlebige Dinge leisten konnte 🙂

Jedenfalls geht’s am nächsten Wochenende gleich mal raus damit und ab in die Sächsische Schweiz.

Schön ist ganz nebenbei, daß ich einiges gelernt habe, bei der Geschichte:

Richtig reparieren lassen sich letztlich nur genähte Schuhe. Geklebte Sohlen bedeuten über kurz oder lang das Aus. Ein paar mal läßt sich die Profilsohle erneuern.

Die Brandsohle ist ein Merkmal für qualitativ hochwertige Schuhe. Ist diese aus Plastik, ist die Lebensdauer der Schuhe durch die Haltbarkeit der Zwischensohle begrenzt. Bei genähten Schuhen läßt sich diese Sohle austauschen. Leder hält dabei ( in Abhängigkeit von der Materialqualität) ewig. Für geklebte Schuhe war’s das.

Gutes Schusterhandwerk hat (wie jedes ordentlich ausgeführte Handwerk) seinen Preis. Aber so schlimm ist es auch wieder nicht! Wenn ich jetzt sage, ich kann diese Schuhe noch mind. 20 Jahre verwenden (beim Wechsel der Profilsohle aller vlt. 3-4 Jahre), dann sind das 4,40€ pro Jahr (plus Sohlentausch, aber der fällt ja sowieso an) – und die Schuhe sind jetzt schon über 25 Jahre alt! Verglichen mit den weitverbreiteten Wegschmeiß – Schuhen ist das dann sogar billig!

Naja, für viele spielt die Mode eine große Rolle bei der Wahl. Für mich sind stattdessen Schuhe mit „zeitlosem Design„, eben echte Klassiker, vorzuziehen. Wirkt sich vielleicht auch ein wenig auf die Persönlichkeit aus?

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